Wohin bloß mit dem Altgerät? Wie Verbraucher Elektromüll vermeiden können

Die Behauptung, dass moderne Technologien und persönliches elektronisches Equipment in der heutigen Gesellschaft eine beachtliche Rolle spielen und viel Komfort mit sich bringen, ist sicher nicht übertrieben. Im Gegenteil, es wird wohl nicht einfach sein, heutzutage eine dem modernen Lebensstil angepasste Person zu finden, die nicht tagtäglich, für den einen oder anderen Zweck, ein Handy, einen Computer, einen Fernsehbildschirm oder ein Notebook in Betrieb nimmt.

Sind die Vorteile all dieser Technologie ohne Zweifel auch groß, so sind es auch die mit der Entsorgung verbunden Kosten. Einfach gesagt, es ist Elektroschrott, der aus unseren Handys, iPads, Laptops, Tastaturen, Flachbildschirmen, Fernsehern und LCD-Monitoren wird. Anders als der gewöhnliche Deponien füllende Müll ist Elektroschrott zudem noch gesundheitsschädigender, denn im Laufe der Zeit geben die Elektronikteile Chemiegase ab, darunter Blei, Cadmium, Quecksilber, Beryllium und Brennschutzmittel.

Da das Volumen an Elektromüll enorm ist, exportieren Industrieländer und Elektrohersteller ihren Müll in Länder wie China, Indien und Nigeria, ungeachtet der Tatsache, dass es Gesetze gibt, die solch eine Praxis verbieten. Viele Bewohner dieser Entwicklungsländer bergen Altmaterial und elektronische Teile, um damit Geld zu verdienen und die toxischen Elemente, die sich damit in ihrer Arbeitsumgebung befinden, schädigen sie. Nach Schätzungen liefert die USA etwa 80% ihres Elektroabfalls nach China.

Computerschrott, Computerreste, Elektronikschrott in China. Kleinkind sitzt zwischen Computerschrott, Kabeln.

Quelle: greenpeace.de/themen/chemie/elektroschrott/

Obwohl es gute Möglichkeiten gibt, Elektromüll zu beseitigen – nur knapp 20% der grob 400 Millionen Elektrogeräte, die wir jedes Jahr wegwerfen, werden in verantwortungsbewusster Weise entsorgt. In den neunziger Jahren verbannte die EU den Müll von den Deponien, indem sie die Verantwortung für die Beseitigung der Elektrogeräte auf die Hersteller übertrug. Jedoch, in den USA gibt es immer noch keine nationalen rechtlichen Richtlinien für das Beseitigen von Elektromüll. Dies bedeutet, dass die Verantwortung für eine umweltschonende Beseitigung wieder einmal beim Endkunden liegt. Dies ist u.a. sichtbar geworden durch den neuen Hinweis auf Elektrogeräten, dass diese doch bitte nicht in den Hausmüll gehören.

Der richtige Umgang mit alten Geräten und Elektroschrott

Wenn Sie ein umweltbewusster Verbraucher sind, können und sollten Sie Verantwortung für den eigenen E-Müll übernehmen. Hier sind einige Vorschläge, wie Sie dies tun können:

  • Den ersten Schritt können Sie schon beim Kauf tun. Wählen Sie einen Elektronikhändler, der die Verantwortung für den gesamten Lebenszyklus seiner Produkte übernimmt. Im Greenpeace Guide to Greener Electronics können Sie nachschlagen, wer empfehlenswert ist und wer eher nicht.
  • Wenn eines Ihrer Elektrogeräte nicht mehr funktioniert oder schlichtweg kaputt ist, könnten Sie versuchen es reparieren zu lassen, anstatt gleich ein neues zu kaufen. Oft ist dies mit der Einsendung des Gerätes beim Hersteller verbunden oder dem Ausfindigmachen eines spezialisierten Geschäftes. Erstaunlicherweise ist die Lösung des Problems oft viel einfacher (und billiger): durch das Auswechseln von Kleinstteilen wie Widerständen, Kondensatoren, die Überprüfung und ggf. den Ersatz der Steckverbinder kann Ihrem Gerät ein ganz unerwartete Lebenserwartung zuteil werden. Fragen Sie dazu jemanden, der sich mit der Kontrolle von Elektrogeräten auskennt.
  • Wenn Sie sich aber dann letztendlich doch ein neueres Gerät anschaffen wollen, das alte aber noch in Funktion ist, schauen Sie doch mal, ob Sie nicht auf dem Gebrauchtmarkt dafür einen Abnehmer finden. Auch nicht brandneue Objekte finden häufig einen Interessenten. Der Online-Anzeigenmarkt, Webseiten mit Inseraten oder Ebay sind hierbei oft der einfachste Weg.
  • Immer mehr Städte und Gemeinden stellen Werkstätten zur Verfügung, zu denen man seine alten Elektroteile bringen kann und wo sie auch entsprechend entsorgt werden. Heben Sie Ihre ausgedienten Geräte doch einfach auf, bis Sie die passende Möglichkeit finden.
  • Eine andere sinnvolle Möglichkeit ist, Ihren Politikern schärfere Kontrollen bei der Ausfuhr von E-Müll in Entwicklungsländer nahezulegen, sowie Hersteller zur Rechenschaft zu ziehen, die nicht haften und keine Rücknahmestandards haben.

Wie so häufig bei Umweltproblemen, wird das Thema Elektromüll nur angegangen, wenn sich die Verbraucher dafür engagieren. Nur weil die Technologie und Elektronik mittlerweile ein gefestigter und gewohnter Bestandteil unseres Alltags sind, sollten wir die Probleme und Kosten zu lasten anderer, die diese Wohlstandsobjekte mit sich bringen, nicht missachten. „Aus dem Auge, aus dem Sinn“ ist hier wohl eher nicht angebracht. Hoffnung auf Besserung zumindest in Europa gibt eine EU-Richtlinie, die ab 2016 wirksam werden soll. Dann sollen Verbraucher die Möglichkeit haben, ihren Elektromüll kostenlos in allen großen Läden ab 400 Quadratmetern Fläche abgeben zu können. Dies soll auch gelten, wenn kein neues Gerät gekauft wird. Die Regelung tritt für alle Geräte in Kraft, die weniger als 25 cm messen. Ziel der EU ist es, einen Großteil der Altgeräte ab 2019 recyceln zu können. Bis dahin ist es zum Glück nicht mehr weit.

Über den Autor

Der Autor ist Marco, 37 Jahre jung. Lieblingsaufenthaltsort ist der Hobbykeller mit dem Sohnemann, obwohl dafür immer recht wenig Zeit bleibt neben der Tätigkeit aus freiberuflicher IT-Mensch und Writer.

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Kommentare

  1. Hallo,

    ein schöner Artikel, der mich zum Nachdenken angeregt hat. Als ausgebildeter IT-Mensch ertappe ich mich immer wieder bei der Versuchung, ein Bauteil oder gleich ein ganzes Gerät zu „entsorgen“. So wäre mir es beinahe z. B. bei einem Drucker passiert, der eine neue Fixiereinheit brauchte. Leider war diese dann teurer als ein neues Gerät. Ich habe mich dann jedoch für die umweltfreundlichere Alternative entschieden.

    Allerdings ist dies meiner Meinung nach auch ein Stück weit so von den Herstellern gewünscht, Stichwort Obsoleszenz.

    Viele Grüße

    Andi

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